Nemanja Radulović zählt zu den markantesten Geigern seiner Generation: ein Musiker mit unverwechselbarer Bühnenpräsenz und einem zunehmend introspektiven Blick auf das Geigenrepertoire. In einem Programm, das zur Gänze Tschaikowsky gewidmet ist, das auch die Sinfonie Nr. 6 «Pathétique» umfasst, spielt er mit dem Orchestra della Svizzera italiana unter der Leitung von Krzysztof Urbański das Violinkonzert des Komponisten – ein Werk, das ihn seit seiner Jugend begleitet. Radulović spricht über Wandel, Vertrauen und die Offenheit seines musikalischen Denkens.
Welche Beziehung haben Sie zu Tschaikowskys Violinkonzert?
Tschaikowskys Violinkonzert begleitet mich, seit ich sechzehn Jahre alt bin. In jeder Lebensphase hat sich meine Interpretation verändert. Ein wichtiger Moment war die Aufnahme für Deutsche Grammophon vor einigen Jahren. Seitdem empfinde ich neben der grossen emotionalen Kraft noch stärker dessen Zärtlichkeit und Einfachheit – verbunden mit Freude, Liebe und Nostalgie.
Arbeiten Sie erstmals mit dem Orchestra della Svizzera Italiana und Maestro Urbański?
Mit dem OSI ist es meine erste Begegnung. Mit Maestro Urbański habe ich hingegen schon mehrfach gespielt und lerne neben ihm immer wieder Neues. Da wir dieses Konzert bereits gemeinsam aufgeführt haben, besteht grosses Vertrauen. Jede Aufführung ist anders – die Musik entsteht im Moment.
Spielt Volksmusik in Ihrem Ansatz eine Rolle?
Inspiration kann aus jedem Genre kommen. Auch die grossen Komponisten der klassischen Musik haben sich von ihren Wurzeln inspirieren lassen.
Mit „Devil‘s Trills“ sind Sie auch in Clubs aufgetreten – was haben Sie von dieser Erfahrung mitgenommen?
Wir haben mehrere Konzerte in Nachtclubs gespielt, um unsere Leidenschaft für klassische Musik an andere Orte zu bringen. Es war spannend zu sehen, wie danach viele Zuhörer auch in die Konzertsäle gekommen sind. Ich glaube, es gab immer ein Publikum für klassische Musik – und es wird auch so bleiben.
Was interessiert Sie heute ausserhalb der klassischen Musik?
Mich interessiert vor allem, neue Künstler zu entdecken – unabhängig vom Genre.
Ihre Projekte für die kommenden Jahre?
Mein einziges Projekt ist es, glücklich zu bleiben und Freude zu empfinden – für den Rest meines Lebens.
Fr 25. Sep, 19:30 Uhr | Pathétique: Nemanja Radulović – Orchestra della Svizzera Italiana (San Francesco, Locarno)



