Wer sich im Netz bewegt, kennt ihn als Cateen: Hinter dem Pseudonym steht der japanische Pianist Hayato Sumino, international erfolgreich, zugleich Komponist und Arrangeur. Nach dem Einzug ins Halbfinale des Chopin-Wettbewerbs in Warschau 2021 erreichte er mit Videos zwischen Klassik, Jazz und Pop ein Millionenpublikum für sich. Neben seiner musikalischen Ausbildung steht ein naturwissenschaftlicher Hintergrund (Ingenieurstudium an der Universität Tokio, Forschungen am IRCAM in Paris). Am 4. Oktober debütiert er in Ascona mit einem Programm, das Chopin ins Zentrum stellt – ergänzt durch Saint-Saëns, Strawinsky, Adès sowie eigene Improvisationen.
Im Zentrum steht Chopin: Was bedeutet er Ihnen?
Er war für mich seit meiner Kindheit eine Art Idol für mich und ist der zentrale Bezugspunkt meines musikalischen Lebens geblieben. Mich fasziniert die Feinheit seiner emotionalen Nuancen: eine scheinbar einfache Schreibweise, die über Phrasierung, Pausen und einen feinen harmonischen Schleier die Innenwelt des Interpreten unmittelbar in Klang übersetzt. Vielleicht erklären sich so die grossen Unterschiede zwischen den Interpretationen. Ich denke Chopin als eine Art Gravitationszentrum: Von ihm gehen verschiedene Stränge aus, jeder mit eigener Umlaufbahn – das die Idee hinter Chopin Orbit.
Welche Rolle spielt die Improvisation bei Chopin?
Seine Musik ist bis ins Detail ausgearbeitet und klingt doch, als entstünde sie im Moment. Genau diese Qualität möchte ich bewahren: dass etwas Geschriebenes wie improvisiert wirken kann. Im Fokus stehen die Freiheit der Verzierungen, die Flexibilität des Tempos und der leicht «verhangene» Klang seiner Harmonik, der sich allmählich klärt.
Warum haben Sie sich nach dem Studium für die Musik entschieden?
Als Kind liebte ich Musik und Mathematik gleichermassen und habe beides lange parallel verfolgt. Der Wendepunkt kam 2018, als ich als Student den PTNA-Wettbewerb gewann – das hat mich endgültig zur pianistischen Laufbahn geführt.
Wirken diese beiden Welten heute noch zusammen?
Ja. Einerseits versuche ich, Klang physikalisch zu verstehen, andererseits bleibt die Denkweise eines Forschers prägend. Es geht darum, auf den Schultern von Riesen zu stehen und einen eigenen kleinen Beitrag zu leisten.
Wie verbinden Sie Klassik, Jazz und Pop, ohne ins Beliebige zu geraten?
Ich versuche nicht, Stile künstlich zu verschmelzen. Entscheidend ist die Frage: Was braucht die Musik? Manchmal verlangt sie eine klassische Struktur, manchmal die Sprache des Jazz. Die Grenzüberschreitung ist Mittel, nicht Zweck.
Ihre Online-Reichweite ist enorm: Welche Rolle spielt das grosse «digitale» Publikum für Sie?
Während der Pandemie haben mich viele Menschen so entdeckt. Für ein jüngeres Publikum kann klassische Musik fern wirken. Wenn ein Video eine Tür öffnet, ist das bereits viel. Ich versuche, die Verbindung zwischen Tradition und Gegenwart sichtbar zu machen.
So 4. Okt, 18:30 Uhr | Chopin Orbit: Hayato Sumino (Collegio Papio, Ascona)



